Sommer, 05.36 Uhr
Mit diesen Worten bricht der Tag an. Mit diesen Worten jetzt und hier wird die Zeit zum stillen See. An den Ufern Glück und Trauer. Darin Ruhe.
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„Halte deinen Altar leer“ (Adyashanti)
Ein Kieselstein, eine Fahrkarte, eine vertrocknete Rose, ein Post-it in Herzform: so häufen sich die Heiligenbildchen. Das Leben ist ein Windstoss und wirbelt sie durch die Luft.
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Für einen kleinen Moment
Hochebene, Sonne und Regenwolken, Hornusser trainieren auf der Weide. Innehalten am Wegrand: eine grosse Stille tritt ein. Dieselbe Szene betrachtet aus den Augen des Hornussers auf der Linie, der Krähe in der Tanne, des Milans am Himmel, der Ameisen im Gras, der Pferde am Horizont. Ich kann sie schnauben hören.
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Keine Erinnerung
Was ist hinabgesunken,
was ist aufgestiegen.
Was ist nahe gekommen,
Was ist weggegangen.
Ein paar Tauben flattern davon.
In der Ferne atmet ein Hund.
Es bleiben keine Erinnerungen übrig im Park.
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Fotografie der Stille
Ich schliesse die Augen und warte auf die Stille.
Es geht ein weiter Raum auf.
Die Steppe von oben betrachtet.
Die Konturen gestochen scharf.
Alles leuchtet von innen.
Ich falte die Hände. In ihnen ruht die Kraft, den Raum zu öffnen.
„Gott als Stein, als Ziege, als Zelt.“
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Was jetzt ist
Aufgeplatzte Edelkastanien im Strassengraben. Das Rauschen des Verkehrs. Steuerberater steht auf dem Schild an einer Hauswand mit bröckelndem Putz.
Ein leichter, fester Griff. Ein paar Zeilen, die ich nicht mehr verstehe. Dann ist es still.
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