In jedem Ding ist ein Loch. Ein klitzekleines manchmal. Aber ein Loch. Ein Loch ist im Eimer, im Haus, im Baum. Im Kopf ist ein Loch. In der Zeit ist ein Loch. Im Denken ist ein Loch und die Sprache ist voller Löcher.
Im Tag ist ein Loch, aus dem die Nacht quillt.
In der Nacht ist ein Loch, in das der Tag hereinbricht.
In meinem Körper ist ein Loch, aus dem das Leben rinnt.
Im Leben ist ein Loch, aus dem mein Körper rinnt.
Aber die Leute wollen keine Löcher. Wo ein Loch ist, da fehlt etwas. Und es soll uns an nichts fehlen.
Manche stopfen das Loch mit Reichtum. Dann haben sie alles ausser einem Loch und suchen verzweifelt eines, weil sie nicht wissen, wohin mit all dem schönen Leben.
Manche Leute nennen das Loch Liebe und heiraten. Dann stopfen sie das Loch mit Kindern. Aber Kinder wollen keine Stopfwolle sein. Sie gehen weg und haben selber ein Loch, in das das Leben rinnt.
Andere versuchen, ein Loch in die Mauer zu bohren. Sie popeln da herum, wo sie bröckelig ist. Sie popeln und popeln und schaffen den Durchbruch nicht. Sie suchen sich ein leichteres Loch, um zu träumen – von der Sonne, dem Meer und der Leidenschaft, die auch ein Loch ist.
Sie trinken, singen, tanzen, dann strömt das Leben in sie hinein. Dann fallen sie hin und schürfen sich die Knie auf. Schwarze Steinchen glitzern im Loch in der Haut. Dann wächst das Loch wieder zu, und alles ist gut.
Andere stopfen das Loch mit einem Lächeln. Sie lächeln immerzu auf eine Weise, die immer wen anderes meint. Das ist ein trauriges Lächeln. Andere haben im Lächeln ein Loch, das immer ein bisschen weint. Das ist ein schönes Lächeln. Dann gibt es die mit dem Loch in den Augen. Wenn sie einen ansehen, versinkt man.
Manche nennen das Loch Gott und glauben, damit sei es gestopft. Doch damit geht es erst auf. Dann strömt das Licht hinein, dann weht der Wind den Staub weg. Dann ist es schön ein Loch zu haben im Leben, durch das der Tod hineinrinnt.